Kanada

 

In der 747 von Toronto nach Frankfurt, auf der Rückwanderung von Kanada nach Deutschland, begleitete mich meine Hündin Tashi (nur 6 Wochen alt). Anfangs lag sie noch politically correct im Transportkäfig, nach kurzem jedoch auf meinem Schoß. Sie war gerade mal eine Handvoll und besaß trotzdem die Frechheit, meinen und dann den Shrimpcocktail (ohne Sauce) des Neuseeländers neben mir zu vertilgen. Aber wer kann einem Lhasa Apso widerstehen! Wer je in diese Augen geschaut hat, wird das bestätigen!

 

Vorsichtshalber hatte ich mir von meinem kanadischen Tierarzt ein Beruhigungsmittel geben lassen. Für einen Welpen wäre eine ganze Tablette zu stark gewesen, daher sollte ich auf Anweisung des Arztes die winzige Tablette vierteilen. Leider trat die Wirkung dieses als sehr stark gepriesenen Medikamentes nicht wie gewünscht ein. Es verstärkte lediglich ihren Appetit, denn mein Dinner verschwand im winzigen Bäuchlein meiner Hündin. Niemals hätte ich gedacht, dass ein so kleiner Hund so viel fressen kann. Aber bei einem Lhasa Apso muss man auf alles gefasst sein und die Transportbox war zum Glück mit Pampers ausgelegt. Im Landeanflug auf Köln/Bonn streckte Tashi plötzlich alle viere in die Luft und schien zu meinem Entsetzen in die ewigen Jagdgründe hinüberzugehen. Aber das Herzchen schlug noch. So bewaffnet - mit 7 Koffern und einem schlafenden Löwchen im Gepäck betraten wir nach vielen Jahren wieder deutschen Boden!

 

Zwei Jahre später holte ich die Hündin Belrene YinYang bei der kanadischen Züchterin Dr. Ellen Brown, Balrene Kennel, ab. Sie war nur 7 Wochen alt. Auf dem Flug von Toronto nach Frankfurt war sie "everybodys darling". Selbst der Flugkapitän machte seine Aufwartung, um seinen bisher jüngsten Passagier kennen zu lernen. Auch für YinYang war die Transportkiste mit Pampers ausgelegt, und wir konnten wie gehabt auf den Toilettengang verzichten.

 

 

Österreich

 

Mit Tashi und ihrer Tochter Amra unternahm ich 1990 eine 10tägige Hüttenwanderung im Bregenzerwald, Vorarlberg. Täglich wanderten wir 6-8 Stunden lang auf 2000 - 2500 m Höhe von Hütte zu Hütte. Tashis und Amras kurze Beinchen waren ununterbrochen im Einsatz, weder steile Felsgrade noch Geröllpfade entmutigten sie. Beim Klettern machten sie den Bergziegen durchaus Konkurrenz. Abends teilten wir todmüde das Matrazenlager in der Gipfelhütte. Damals erkannte ich, dass die tibetische Herkunft diese Hunde in idealer Weise auf ein hartes Leben vorbereitet und zu zähen kleinen Gesellen gemacht hatte.

 

Bilder folgen

 

Lhasas sind weitgehend schwindelfrei. Wenn Tashi oder Amra mit sturmzerzaustem Haar auf einem Felsvorsprung stehend gelassen den 2000 Meter senkrecht abfallenden Abgrund taxierten, wurde mir schon sehr mulmig zumute. Lhasas kennen offenbar keine Höhenangst. Ob wir im Sommer, Herbst oder im winterlichen Tiefschnee in den Bergen wanderten, stets waren sie an meiner Seite. Auch die einfache Brotzeit bei unseren kleinen Jausen haben wir geteilt, denn auf Bergtour sind Mensch und Tier anspruchslos.

 

 

Holland

 

Unsere große Leidenschaft sind Trips nach Holland. Dazu eignen sich ganz besonders Camping-busse älterer und neuerer Version:

 

 

In Zeeland benutzen wir auch gerne einen Polderwagen für den Lastentransport auf dem Wege in den Sta-Caravan oder zum Bungalow, man kann so bequem ganz oben thronen und hat einen guten Überblick:

 

Bild Polderwagen

 

In Holland am Meer legt der Lhasa dann seine hochalpinen Gene ab und tobt nach Herzenslust am Sandstrand, in den man wunderbar Löcher buddeln oder den Kopf hineinstecken kann. Man kann aber auch ein kleines Salzwasserbad nehmen, über Prile oder in die Wellen springen. Bild Prilspringen Vor allem kann man nach Herzenslust rennen und bellen, ohne jemandem auf die Nerven zu gehen. Also, Frauchen und die Lhasa Mädels lieben Holland sehr. Und dann sind da noch diese wunderbaren Holztreppen über die Dünen ....

 

 

Zur Abwechslung besteigen wir hin und wieder ein Schiff, um beim Fischfang zu helfen. Unser Speisezettel paßt sich den Gepflogenheiten des Gastlandes an und präsentiert Proteine mit Flossen.

 

 

Frankreich, Spanien und Portugal

 

Auf dem Flug in südliche Gefilde darf der ausgewachsene Lhasa Apso wegen seines geringen Gewichtes in der Transportbox Herrchen oder Frauchen in die Kabine begleiten. Er fliegt standesgemäß. Als Hochlandhund liebt er eigentlich keine sommerlichen Temperaturen. Aber wie bereits erwähnt, ist er ja sehr flexibel. Wenn man die landesübliche mittägliche Siesta strikt einhält, kann der Lhasa es in Südeuropa durchaus aushalten. Häuser und Hotels haben wunderbar kühle Fliesen, auf denen man es sich mittags gemütlich macht. Bei Reisen mit dem Wohnmobil sucht man auf den Campingplätzen schattige Plätzchen auf. Auch mit der südländischen Küche können sich Lhasas in kurzer Zeit anfreunden, Fisch in allen Variationen und knuspriges Lammfleisch mit viel Knoblauch und Olivenöl wird auch von ihnen als Delikatesse geschätzt. Und wenn es wirklich zu heiß sein sollte, kann man ja mal in den Pool springen!

 

 

 

 

Lhasas verfügen über einen gesunden Pragmatismus und eine Riesenportion Klugheit. Beides lässt sie erkennen, dass mit einem gut erholten Frauchen und Herrchen nach dem Urlaub die Spaziergänge daheim in Wald und Flur noch länger ausfallen. Deswegen ist ihnen auch kein Flug oder Fahrstrecke zu lang, kein Weg zu weit und kein Aufstieg auf den Gipfel zu mühsam. Wer es von Tibet bis hierher geschafft hat, wird schließlich mit allem fertig.

 

Gute Reise!